Friday 8 august 5 08 /08 /Aug. 13:13

Die Göhrde war am Ende des Mittelalters ein riesiges dünnbesiedeltes Waldgebiet, in dem dann vor allem die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg von ihren Residenzen Celle, Dannenberg und später auch von Wolfenbüttel aus große Jagden veranstalteten. Um die Mitte des 16.Jahrhunderts stand hier bereits ein schlichtes Jagdhaus, das nur für kurze Aufenthalte eingerichtet war. Bei den Jagden wurde das Wild entweder in Netze getrieben und dort erlegt. Man bevorzugte später aber vor allem die Parforcejagd mit Treibern, Reitern und Hundemeuten, bei denen Hirsche stundenlang gehetzt und schließlich mit dem Hirschfänger erlegt wurden.

 

In den ersten Jahren nach dem Dreißigjährigen Krieg entstanden neue Gebäude in Fachwerkbauweise, so das heutige zweistöckige "Jagdhaus"(1652). Während die Jagden zunächst reine Männesache waren und kriegerischen Übungen ähnelten, hielt im Spätbarock pompöse Repräsentation ihren Einzug. Die Jagdhäuser wurden - nach französischem Vorbild - zu Schlössern, in denen eine Hofhaltung wie in der Residenz möglich war.

1671 kam die Göhrde an Herzog Georg Wilhelm in Celle, den "Heideherzog", mit seiner französischen Gemahlin Eleonore d'Olbreuse. Der Herzog war ein leidenschaftlicher Jäger und Förderer einer üppigen Hofkultur. Er ließ 1682-84 in der Göhrde zahlreiche Gebäude errichten, darunter ein Jagdschloß, das aber bald schon nicht mehr ausreichte, die immer größer werdenden Jagdgesellschaften aufzunehmen. Einen Höhepunkt stellte der Besuch von König Wilhelm III von Großbritannien dar (1698) dar, anläßlich dessen über die Nachfolge auf dem britischen Königsthron verhandelt wurde. Als sich in den darauffolgenden Jahren die Chancen einer welfischen Thronfolge in Großbritannien verbesserten, wurde ein neuer Schloßbau in der Göhrde in Angriff genommen.

 

In den Jahren 1706-09 wurde nach Plänen von Louis Remy de la Fosse ein großes dreistöckiges Schloßgebäude mit etwa 100 Räumen sowie mehrere Nebengebäude errichtet. Auch nachdem Kurfürst Georg Ludwig 1714 als George I König von Großbritannien geworden war, kam er mehrmals zur Jagd in die Göhrde. Auch sein Sohn Georg II jagde hier mehrmals, zuletzt 1752. Dann wurde es stiller im Schloß. Seit 1766 war die Jagd verpachtet, Bauten und Gartenanlagen wurden nur notdürftig unterhalten, der Wald vor allem forstwirtschaftlich genutzt. Nach 1819 wurden einzelne Gebäude, 1827 auch das Schloß abgebrochen. Erst nach der Errichtung des Königreiches Hannover 1837 renovierte man einige Gebäude, und die Göhrde wurde wieder zum fürstlichen Jagdrevier.

 

Nach der Annexion Hannovers durch Preußen wurde der ehemalige Marstall 1868 zum Königlich-preußischen Jagdschloß umgebaut. Einen Eindruck von dieser "Wilhelminischen Zeit" vermittelt noch der heutige Schloßsaal.

Die Göhrde wurde zum Ort regelmäßiger Jagden der deutschen Kaiser Wilhelm I und II. Vor allem der letzte deutsche Kaiser, der sich 1913 rühmen konnte, 75000 Stück Wild erlegt zu haben, ließ sich die Jagd in der Göhrde nicht entgehen. Hier wurden sogenannte "Eingestellte Jagden" durchgeführt, die es erlaubten, in wenigen Stunden eine große Zahl von Tieren zu erlegen. So wurden bei der letzten Hofjagd, die 1913 in Gesellschaft des österreichischen Thronfolgers Franz-Ferdinand stattfand, an einem Tag 447 Stück Wild zur Strecke gebracht. Nach 1913 bis Heute finden nur noch gelegentlich Staatsjagden statt. Die Gebäude beherbergen seit 1946 die Heimvolkshochschule Bildungszentrum Göhrde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

von Waldbock - veröffentlicht in: Natur
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